Sinnvolles Wachstum – was bedeutet das überhaupt? (Teil 1)

Wie hängen Sinn und die Entwicklung deines Unternehmens für dich persönlich zusammen?

„Lass dein Business sinnvoll wachsen“ – diesen Untertitel habe ich für Biztopia gewählt. Aber was bedeutet sinnvolles Wachstum überhaupt? Was geht dir durch den Kopf, wenn du die Worte „sinnvolles Wachstum“ liest? Wirken sie auf dich womöglich wie eine leere Floskel? Oder aber – das hoffe ich, wenn du diesen Blog liest – wie eine wertvolle Formel, mit der du dich identifizieren kannst?

Wie gewohnt gibt es auch diesen Beitrag  in abgewandelter Form im Biztopia-Podcast zum Hören. Hier kannst du ihn direkt abspielen:

Für mich persönlich macht erst der Zusatz „sinnvoll“ ein Wachstum so richtig anziehend und wertvoll. Die Frage, was ich selbst unter „sinnvollem Wachstum“ verstehe, kann ich auf zweierlei Weise beantworten: abstrakt und konkret. Konkret wird die Antwort für mich persönlich und mein eigenes Business als Beraterin, Sparringspartnerin und Coach „richtig“ sein – und gleichzeitig für dich möglicherweise ganz anders lauten.

Bevor ich dazu komme, was ich abstrakt darunter verstehe, lass mich kurz ein wenig ausholen, warum ich es überhaupt wichtig finde, dass wir uns als Unternehmer, Freiberufler oder anderswie Selbständige damit beschäftigen, was sinnvolles Wachstum für unser Business bedeutet…

Reflektiere ich mich anderen Unternehmern oder auch mit Klienten über „Wachstum“, dann sind einige engagiert und mit dem Herzen dabei, während andere zögern. Gedanken und Stimmen, die bei ihnen hochkommen, lauten beispielsweise:

  • „Wachstum, das muss man als Firmeninhaber ja wohl wollen … aber mir macht das irgendwie Angst. Wenn wir größer werden, dann muss ich bestimmt Dinge tun die ich nicht kann oder auch nicht will.“
  • „Wachstum als Selbständiger klingt nach noch mehr ständig arbeiten, dabei möchte ich doch mehr Zeit für meine Familie haben …“
  • „Klar, mehr Umsatz oder genauer gesagt mehr Gewinn wäre schon schön … aber die Zahlen sind mir gar nicht so wichtig, mich treibt etwas anderes. Bei der künftigen Weiterentwicklung meines Unternehmens ist mir daher auch etwas anderes noch viel wichtiger.“

Es gab Zeiten, da hat mich der Begriff „Wachstum“ ebenfalls nicht wirklich begeistert. Freiheit und Unabhängigkeit, selbst entscheiden und gestalten können und dabei tatsächlich etwas SINNVOLLES tun, das war mir immer viel wichtiger. Heute sage ich: Diese meine Werte und Wachstum, das ist kein Widerspruch, sondern die Kombination aus beidem ergibt für mich SINNVOLLES Wachstum.

Quantitatives versus qualitatives Wachstum

Abstrakt bedeutet Wachstum erst einmal eines: Größerwerden. Das gibt es in mindestens zwei Varianten: quantitativ und qualitativ. Im ersten Fall geht es in erster Linie um ein „Mehr“: zum Beispiel mehr Umsatz, mehr Kunden, mehr Produkte, mehr Mitarbeiter oder mehr Gewinn. Ein so verstandenes Wachstum im Sinne von „größer“ erscheint nicht für jeden attraktiv. Ich bin da ein gutes Beispiel. Und falls rein quantitatives Wachstum gar als allein seligmachendes Ziel verstanden wird, kann es sogar gefährlich sein – nicht nur für ein einzelnes Unternehmen und dessen Inhaber, sondern auch gesamtgesellschaftlich bzw. sogar global. Stichwort Nachhaltigkeit.

Anders sieht es beim qualitativen Wachstum aus. Dies ist für mich die deutlich spannendere Variante und auch die, die ich meine, wenn ich von „sinnvollem Wachstum“ spreche. Mit Wachstum ist dann ein Weiterentwickeln, ein Gedeihen und ein Entfalten gemeint. Gute Bilder hierfür finden wir in der Natur. Und auch der Mensch wächst als Persönlichkeit – hoffentlich – sein Leben lang. Auch dann noch, wenn seine Körpergröße längst nicht mehr zunimmt. Oft geht diese qualitative Form des Wachstums bei einem Unternehmen dann mit einem zahlenmäßigen, einem quantitativen Wachstum einher. Und dies ist auch gut so!

Der Begriff „sinnvolles Wachstum“ ist für mich somit ein subjektiv wahrgenommenes qualitatives Wachstum. Je nachdem, wie man persönlich „Sinn“ und „sinnvoll“ definiert, kann eine bestimmte Entwicklung, ein Wachstum in eine konkrete Richtung bedeutsam und sinnhaltig sein oder sich auch kalt und sinnentleert darstellen.

Ein sinnvolles Wachstum für dein eigenes Business ist also immer ein Wachstum, das zu dir persönlich passt, das mit deinen eigenen Werten, Bedürfnissen, Stärken und persönlichen Motiven im Einklang steht.

Wie sieht sinnvolles Wachstum für dich persönlich konkret aus?

Wie hängen sinnvolles Wachstum und Vision zusammen?

Was wünschst du dir, in welche Richtung soll sich dein Business weiterentwickeln? Wenn du eine klare Vision und Mission für dein Unternehmen entwickelt hast, dann wirst du jetzt vielleicht sagen: Die Antwort ist banal, sinnvoll ist das Wachstum, wenn es mich meiner Vision näherbringt. Grundsätzlich mag das richtig sein. Hast du dich bei der Entwicklung deiner Vision (mehr dazu hier) mit deinen persönlichen Werten und mit deinem WARUM beschäftigt, dann geht diese Gleichung zumindest was das Ziel betrifft auf. Dann kennst du bereits dein persönliches Biztopia und weißt, in welche Richtung du mit deinem Unternehmen wachsen willst.

Hast du allerdings momentan eher eine vage Vision oder diese sehr pragmatisch definiert (im Sinne von „Ich möchte, das meine Firma in fünf Jahren Marktführer bei X ist und mindestens Y Euro Umsatz macht.“), dann möchte ich dich ermuntern, dir einmal diese Fragen zu stellen:

  • Was ist dein persönliches WARUM? Was treibt dich an?
  • Was möchtest du möglicherweise verändern, für andere tun oder bewegen? Welchen „Footprint“ willst du hinterlassen?
  • Welche Rolle spielt dein Business dabei? Dies kann direkt geschehen, über das, was du für deine Kunden bewirkst, wie du mit deinen Mitarbeitern umgehst oder was du möglicherweise komplett Neues schaffst, oder indirekt, indem du mit dem, was du erwirtschaftest, was du möglicherweise Besonderes schaffst, Gutes tust oder dass du dir die Zeit verschaffst, um mit den Menschen zusammen zu sein und die Dinge zu tun, die dir wichtig sind.

Über diese Fragen nährst du dich deiner persönlichen Definition von „sinnvollem Wachstum“ an. Die Richtung, in die du dein Unternehmen entwickeln willst, wird klarer.

Wachstumsdimensionen: Wohin soll die Reise alias das Wachstum gehen?

Eine Entscheidung über die Richtung zu treffen ist wichtig, denn es gibt für jeden Firmeninhaber, jede Unternehmerin und jeden Freiberufler theoretisch viele unterschiedliche Wachstumsrichtungen. Häufig hat man übrigens zunächst nur manche davon im eigenen Sichtfeld.

Um deinen Blick zu weiten und dich zu inspirieren, möglicherweise noch in zusätzliche Richtungen zu denken, habe ich einmal das Spektrum der möglichen Dimensionen systematisch zusammengestellt, in die ein Unternehmen bzw. eine Selbständigkeit sich entwickeln, sprich in die sie wachsen kann. Dies ist eine längere Liste geworden, die ich dir daher im zweiten Teil dieser Doppelfolge vorstellen und erläutern möchte.

Hier nur ganz kurz einige wenige Beispiele …

  • Ausweiterung des Produktportfolios,
  • stärkere Spezialisierung (also das Gegenteil, im Sinne der EKS),
  • Wachstum des Teams: mehr Mitarbeiter oder vielleicht auch die Einstellung des ersten Mitarbeiters überhaupt,
  • Ausweitung auf weitere Kanäle (z.B. Online zusätzlich zu Offline oder umgekehrt),
  • Hinzunahme neuer Geschäftsfelder oder eine Reduktion auf eines oder weniger Felder,
  • Ausbau des eigenen Fachwissens bzw. Expertenstatus,
  • Veränderung des eigenen Businessmodells,
  • Etc.

Anlässe von innen oder von außen

Der Anlass für die Weiterentwicklung kann von innen oder von außen kommen. In jedem Fall trägst du als Inhaberin oder Inhaber die Verantwortung dafür, die Veränderung zu gestalten. Sinn kann dann auf verschiedenen Wegen ins Spiel kommen:

  • Kommt der Anstoß für die Veränderung von außen – z.B. durch geänderte Rahmenbedingungen –, verspüren viele das Bedürfnis, sicherzustellen, dass das notwendige Wachstum dann „zumindest“ auch sinnvoll stattfindet.
  • Liegt der Ausgangspunkt bei uns selbst – vielleicht einer neuen Lebensplanung oder einem allgemeinen Unwohlsein – dann definieren wir „sinnvoll“ vielleicht ab sofort ein Stück weit anders oder verspüren den verstärkten Wunsch, das eigene Unternehmenswachstum mit den eigenen Werten und Bedürfnissen in Einklang zu bringen.

Klar ist, dass es stets eine Wechselwirkung gibt: Nehmen wir einmal an, dein Business wächst sinnvoll, entwickelt sich in die Richtung, die du dir wünschst. Was passiert dann mit dir? Nicht nur bei Freiberuflern und Solopreneuren, sondern auch bei inhabergeführten Unternehmen gibt es eine starke gegenseitige Beeinflussung zwischen der Unternehmerin bzw. dem Unternehmer und ihrer/seiner Firma.

Das heißt: Verändert sich der eine, wandelt sich auch der andere. Wenn dein Business wächst, entwickelst du dich höchstwahrscheinlich auch weiter. Und wenn du dich entfalten möchtest, brauchst du häufig auch einen Wandel in deinem Unternehmen.

Du und dein Unternehmen, ihr beeinflusst euch gegenseitig. Wichtig ist: Du entscheidest über die Richtung. Der erste Impuls kann von deinem Business ausgehen oder von dir als Mensch. Es ist wichtig und lohnend, dass du dich ehrlich fragst: Was soll sich für mich ändern? Wovon will ich mehr bzw. weniger haben?

In der Sprache der ARD-Methode (mehr dazu hier): Was wünscht sich der Darsteller in Bezug auf die Veränderung? Was braucht er, was kann er beisteuern, in Hinblick auf was muss bzw. möchte er sich parallel weiterentwickeln? Dies sind wichtige Informationen für den Autor, damit er das Wachstum entsprechend planen kann!

 

Auf einen Blick: Take-Aways

  • Sinnvolles Wachstum eines Business ist immer etwas Subjektives.
  • Es muss im Einklang stehen mit den Werten, Bedürfnissen, Stärken und Motiven des Unternehmers bzw. der Unternehmerin.
  • Es gibt quantitatives und qualitatives Wachstum, nicht jede Weiterentwicklung hat etwas mit höheren Zahlen zu tun, oft sind sie allerdings eine Folge gelungenen Wachstums.
  • Sinnvolles Wachstum bringt dich deinem persönlichen Biztopia näher.
  • Der Anlass für die Weiterentwicklung kann von innen oder von außen kommen, in jedem Fall trägst du als Inhaberin oder Inhaber die Verantwortung dafür, die Veränderung in deinem Sinne zu gestalten.
  • Es gibt eine wichtige Wechselwirkung: Entwickelt sich dein Unternehmen, so wächst auch du – und umgekehrt.

Hast du Lust, dies jetzt einmal auf dich und dein Business zu übertragen? Dann lege am besten gleich los: Ich habe dir dafür ein Arbeitsblatt vorbereitet. Dieses kannst du dir wie auch alle weiteren Worksheets in der Biztopia-Collection herunterladen.

Viel Spaß beim Ausfüllen!

2017-05-17T14:25:12+00:00 12. Mai 2017|

Über die Autorin:

Nina Kreutzfeldt lebt und arbeitet als Business Coach, Beraterin und Sparringspartnerin in Hamburg. Im Biztopia-Blog sowie im gleichnamigen Podcast gibt sie regelmäßig Unternehmern, Freiberuflern und anderen Selbstständigen, die mit ihrem Business sinnvoll wachsen wollen, wertvolle Impulse.